Integrale verstehen

Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung

Lisa & Gregor von OnMathe
two students high five

Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung

Wie groß ist diese Fläche?

Du willst wissen, wie man die markierte Fläche im Bild berechnet?

Bestimmtes Integral mit markierter Fläche zwischen Graph und x-Achse

Die Lösung ist der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung. Mit ihm berechnen wir das bestimmte Integral. Das sieht so aus:

Unser Integral
\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} \bigl({\textcolor{green}{-0{,}2x^3+4x}}\bigr)\,\mathrm{d}x \)
  • \({\textcolor{orange}{1}}\) ist die untere Grenze.
  • \({\textcolor{steelblue}{4}}\) ist die obere Grenze.
  • \({\textcolor{green}{-0{,}2x^3+4x}}\) ist die Funktion, die integriert wird.

Vorbereitung

Stammfunktion bilden

Bevor wir den Hauptsatz anwenden können, brauchen wir eine Stammfunktion unserer Funktion.

\( f(x)=-0{,}2x^3+4x \)
\( F(x)=-0{,}05x^4+2x^2 \)
Hauptsatz anwenden

Jetzt berechnen wir die Fläche

Die Stammfunktion schreiben wir in eckige Klammern und übernehmen die beiden Grenzen:

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} ({\textcolor{green}{-0{,}2x^3+4x}}) \; \mathrm{d}x \)
\( = \left[ {\textcolor{green}{-0{,}05x^4+2x^2}} \right]_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} \)

Jetzt setzen wir zuerst die obere Grenze und danach die untere Grenze in die Stammfunktion ein:

Jetzt setzen wir zuerst die obere Grenze und danach die untere Grenze in die Stammfunktion ein:

\( = \underbrace{ \left( -0{,}05\cdot{\textcolor{steelblue}{4}}^4 +2\cdot{\textcolor{steelblue}{4}}^2 \right) }_{\text{\(\textcolor{steelblue}{\text{obere Grenze}}\)}} \) \( {\textcolor{orangered}{-}} \underbrace{ \left( -0{,}05\cdot{\textcolor{orange}{1}}^4 +2\cdot{\textcolor{orange}{1}}^2 \right) }_{\text{\(\textcolor{orange}{\text{untere Grenze}}\)}} \)
Obere Grenze minus untere Grenze. Der gesamte hintere Wert wird abgezogen – deshalb gehört er unbedingt in Klammern.
Obere Grenze minus untere Grenze. Der gesamte hintere Wert wird abgezogen – deshalb gehört er unbedingt in Klammern.
\( ={\textcolor{steelblue}{19{,}2}} {\textcolor{orangered}{\;-\;}} {\textcolor{orange}{1{,}95}} \)
\( =17{,}25 \)
Die markierte Fläche ist \(17{,}25\) Flächeneinheiten groß.

Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung
\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{a}}^{\textcolor{steelblue}{b}} {\textcolor{green}{f(x)}} \; \mathrm{d}{\textcolor{purple}{x}}\)
\(= \left[{\textcolor{green}{F(x)}}\right]_{\textcolor{orange}{a}}^{\textcolor{steelblue}{b}} = F({\textcolor{steelblue}{b}}) {\textcolor{orangered}{-}} F({\textcolor{orange}{a}}) \)
  • Stammfunktion \({\textcolor{green}{F(x)}}\) bilden.
  • Stammfunktion in eckige Klammern schreiben und untere und obere Grenze mitnehmen.
  • Zuerst die obere Grenze, dann die untere Grenze einsetzen.
  • Klammern berechnen und subtrahieren.

Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung

Wie groß ist diese Fläche?

Du willst wissen, wie man die markierte Fläche im Bild berechnet?

Bestimmtes Integral mit markierter Fläche zwischen Graph und x-Achse

Die Lösung ist der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung. Mit ihm berechnen wir das bestimmte Integral. Das sieht so aus:

Unser Integral
\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} \bigl({\textcolor{green}{-0{,}2x^3+4x}}\bigr)\,\mathrm{d}x \)
  • \({\textcolor{orange}{1}}\) ist die untere Grenze.
  • \({\textcolor{steelblue}{4}}\) ist die obere Grenze.
  • \({\textcolor{green}{-0{,}2x^3+4x}}\) ist die Funktion, die integriert wird.

Vorbereitung

Stammfunktion bilden

Bevor wir den Hauptsatz anwenden können, brauchen wir eine Stammfunktion unserer Funktion.

\( f(x)=-0{,}2x^3+4x \)
\( F(x)=-0{,}05x^4+2x^2 \)
Hauptsatz anwenden

Jetzt berechnen wir die Fläche

Die Stammfunktion schreiben wir in eckige Klammern und übernehmen die beiden Grenzen:

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} ({\textcolor{green}{-0{,}2x^3+4x}}) \; \mathrm{d}x \)
\( = \left[ {\textcolor{green}{-0{,}05x^4+2x^2}} \right]_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} \)

Jetzt setzen wir zuerst die obere Grenze und danach die untere Grenze in die Stammfunktion ein:

Jetzt setzen wir zuerst die obere Grenze und danach die untere Grenze in die Stammfunktion ein:

\( = \underbrace{ \left( -0{,}05\cdot{\textcolor{steelblue}{4}}^4 +2\cdot{\textcolor{steelblue}{4}}^2 \right) }_{\text{\(\textcolor{steelblue}{\text{obere Grenze}}\)}} \) \( {\textcolor{orangered}{-}} \underbrace{ \left( -0{,}05\cdot{\textcolor{orange}{1}}^4 +2\cdot{\textcolor{orange}{1}}^2 \right) }_{\text{\(\textcolor{orange}{\text{untere Grenze}}\)}} \)
Obere Grenze minus untere Grenze. Der gesamte hintere Wert wird abgezogen – deshalb gehört er unbedingt in Klammern.
Obere Grenze minus untere Grenze. Der gesamte hintere Wert wird abgezogen – deshalb gehört er unbedingt in Klammern.
\( ={\textcolor{steelblue}{19{,}2}} {\textcolor{orangered}{\;-\;}} {\textcolor{orange}{1{,}95}} \)
\( =17{,}25 \)
Die markierte Fläche ist \(17{,}25\) Flächeneinheiten groß.

Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung
\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{a}}^{\textcolor{steelblue}{b}} {\textcolor{green}{f(x)}} \; \mathrm{d}{\textcolor{purple}{x}}\)
\(= \left[{\textcolor{green}{F(x)}}\right]_{\textcolor{orange}{a}}^{\textcolor{steelblue}{b}} = F({\textcolor{steelblue}{b}}) {\textcolor{orangered}{-}} F({\textcolor{orange}{a}}) \)
  • Stammfunktion \({\textcolor{green}{F(x)}}\) bilden.
  • Stammfunktion in eckige Klammern schreiben und untere und obere Grenze mitnehmen.
  • Zuerst die obere Grenze, dann die untere Grenze einsetzen.
  • Klammern berechnen und subtrahieren.

Integralwert oder Flächeninhalt

Schauen wir uns jetzt eine weitere Fläche derselben Funktion an: diesmal zwischen \({\textcolor{orange}{x=-4}}\) und \({\textcolor{steelblue}{x=-1}}\).

Bestimmtes Integral mit Fläche unterhalb der x-Achse
\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{-4}}^{\textcolor{steelblue}{-1}} (-0{,}2x^3+4x) \; \mathrm{d}x \)
Hauptsatz anwenden

Wir rechnen genauso wie vorher

Die Stammfunktion kennen wir schon – also wenden wir direkt den Hauptsatz an:

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{-4}}^{\textcolor{steelblue}{-1}} (-0{,}2x^3+4x) \; \mathrm{d}x \)
\( = \left[ -0{,}05x^4+2x^2 \right]_{\textcolor{orange}{-4}}^{\textcolor{steelblue}{-1}} \)
\( = F({\textcolor{steelblue}{-1}})\; {\textcolor{orangered}{-}}\; F({\textcolor{orange}{-4}}) \)
\( = 1{,}95\; {\textcolor{orangered}{-}}\; 19{,}2 \)
\( =-17{,}25 \)
Haben wir etwas falsch gemacht? Eine Fläche kann doch nicht negativ sein, oder?

Der entscheidende Unterschied

Integralwert oder Flächeninhalt?

Die Rechnung ist richtig – es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Das bestimmte Integral liefert dir zunächst den Integralwert.

Integralwert
\( -17{,}25 \)

Für den Flächeninhalt müssen wir zusätzlich darauf achten, ob die betrachtete Fläche oberhalb oder unterhalb der \(x\)-Achse liegt. Liegt sie vollständig unterhalb der \(x\)-Achse, ist ihr Integralwert negativ. Deshalb nehmen wir für ihren Flächeninhalt den Betrag.

Flächeninhalt
\( A=\left|-17{,}25\right|=17{,}25\ \text{FE} \)

Denk immer daran: Integralwert und Flächeninhalt sind zwei unterschiedliche Dinge. Achte deshalb genau darauf, was in der Aufgabenstellung gefragt ist.

oberhalb der \(x\)-Achse unterhalb der \(x\)-Achse
Integralwert positiv negativ
Flächeninhalt Integralwert übernehmen Betrag des Integralwerts nehmen

Was passiert, wenn die Fläche die x-Achse schneidet?

Zum Schluss betrachten wir noch ein letztes mal unsere Funktion. Diesmal wollen wir die Fläche zwischen \({\textcolor{orange}{x=-3}}\) und \({\textcolor{steelblue}{x=3}}\) bestimmen.

Fläche zwischen dem Graphen und der x-Achse im Intervall von x gleich -3 bis x gleich 3

Wir kennen den Hauptsatz inzwischen – also legen wir sofort los.

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{-3}}^{\textcolor{steelblue}{3}} (-0{,}2x^3+4x) \; \mathrm{d}x \)
\( = \left[ -0{,}05x^4+2x^2 \right]_{\textcolor{orange}{-3}}^{\textcolor{steelblue}{3}} \)
\( = F({\textcolor{steelblue}{3}})\; {\textcolor{orangered}{-}}\; F({\textcolor{orange}{-3}}) \)
\( = 13{,}95\; {\textcolor{orangered}{-}}\; 13{,}95 \)
\(=0\)
Wie kann das Integral \(0\) sein, obwohl wir im Bild ganz klar eine Fläche sehen?

Schau genau hin

Eigentlich haben wir zwei Flächen

Wenn wir uns das Bild genauer anschauen, sehen wir: Zwischen \({\textcolor{orange}{x=-3}}\) und \({\textcolor{steelblue}{x=3}}\) liegen zwei klar getrennte Flächen. Bei \({\textcolor{purple}{x=0}}\) schneidet der Graph die \(x\)-Achse.

Die Fläche unterhalb der \(x\)-Achse nennen wir \(A_1\), die Fläche oberhalb der \(x\)-Achse \(A_2\).

Bestimmtes Integral mit Flächen oberhalb und unterhalb der x-Achse

Schauen wir uns zunächst an, welchen Integralwert die beiden Bereiche liefern.

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{-3}}^{\textcolor{purple}{0}} (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x = {\textcolor{orangered}{-13{,}95}} \)
\( \displaystyle \int_{\textcolor{purple}{0}}^{\textcolor{steelblue}{3}} (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x = {\textcolor{green}{13{,}95}} \)

Jetzt sehen wir auch, was passiert: Die beiden Bereiche \(A_1\) und \(A_2\) sind gleich groß. \(A_2\) liegt oberhalb der \(x\)-Achse und liefert einen positiven Integralwert. \(A_1\) liegt unterhalb der \(x\)-Achse und liefert einen negativen Integralwert.

Betrachten wir beide wieder gemeinsam über das gesamte Intervall, heben sich die beiden Werte gegenseitig auf:

\( {\textcolor{orangered}{-13{,}95}} + {\textcolor{green}{13{,}95}} = \textcolor{purple}{0} \)
Die beiden gleich großen Werte haben unterschiedliche Vorzeichen und heben sich gegenseitig auf. Deshalb ist der Integralwert \(0\).

Integralwert oder Flächeninhalt?

Für die Fläche dürfen sie sich nicht aufheben

Für den Flächeninhalt darf \(A_1\) jetzt nicht negativ bleiben. Deshalb nehmen wir für die Fläche unterhalb der \(x\)-Achse den Betrag.

\( A_1 = \left| \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{-3}}^{\textcolor{purple}{0}} (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x \right| \)
\( = \left| {\textcolor{orangered}{-13{,}95}} \right| = 13{,}95 \)

\(A_2\) liegt oberhalb der \(x\)-Achse. Ihr Integralwert ist bereits positiv und kann deshalb direkt als Flächeninhalt übernommen werden.

\( A_2 = \displaystyle \int_{\textcolor{purple}{0}}^{\textcolor{steelblue}{3}} (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x \)
\( = {\textcolor{green}{13{,}95}} \)

Jetzt haben wir wirklich zwei Flächeninhalte. Für die gesamte Fläche müssen wir sie nur noch addieren:

\( A=A_1+A_2 \)
\( =13{,}95+13{,}95 \)
\(=27{,}9\ \text{FE}\)
Integralwert: \(0\)   ·   Flächeninhalt: \(27{,}9\ \text{FE}\)

Schau zum Schluss immer genau hin, was in der Aufgabe gefragt ist.

Integralwert gesucht?
Rechne über das gesamte Intervall. Das Ergebnis ist eine Bilanz der Integralwerte oberhalb und unterhalb der \(x\)-Achse.
Flächeninhalt gesucht?
Prüfe zuerst, ob der Graph innerhalb des Intervalls die \(x\)-Achse schneidet.
Seitenwechsel?
Dann an den Nullstellen aufteilen, die Teilflächen berechnen, Beträge bilden und anschließend addieren.

Mathe macht Druck? Wir bringen Struktur.

Echtes Verständnis ab der ersten Stunde.

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Übungen

Aufgabe 1

Berechne das bestimmte Integral.

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{3}} (2x+1)\,\mathrm{d}x \)

Bilde zuerst eine Stammfunktion von \(f(x)=2x+1\).

Setze anschließend die obere Grenze und die untere Grenze ein.

Lösung

Lösung 1

Zuerst bilden wir eine Stammfunktion:

\( f(x)=2x+1 \)
\( F(x)=x^2+x \)

Jetzt wenden wir den Hauptsatz an:

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{3}} (2x+1)\,\mathrm{d}x = \left[x^2+x\right]_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{3}} \)
\( = F({\textcolor{steelblue}{3}}) {\textcolor{orangered}{-}} F({\textcolor{orange}{1}}) \)
\( = (3^2+3) {\textcolor{orangered}{-}} (1^2+1) \)
\( = 12-2 \)
\(=10\)
Der Integralwert ist \(10\).

Aufgabe 2

Der Graph von \(f\) liegt zwischen \(x=1\) und \(x=4\) vollständig unterhalb der \(x\)-Achse.

Welchen Wert könnte das bestimmte Integral haben?

Falsch
Richtig
Falsch

Lösung

Lösung 2

Der Graph liegt im gesamten Intervall unterhalb der \(x\)-Achse. Deshalb muss der Integralwert negativ sein.

Von den drei Möglichkeiten kommt also nur \(-12\) infrage.

Hier musst du nichts ausrechnen: Unterhalb der \(x\)-Achse → negativer Integralwert.

Aufgabe 3

Berechne den Flächeninhalt zwischen dem Graphen von \(f(x)=x\), der \(x\)-Achse und den Geraden \(x=-2\) und \(x=3\).

\( f(x)=x \)

Der Graph schneidet die \(x\)-Achse bei \(x=0\).

Teile die Fläche dort in \(A_1\) und \(A_2\) auf.

Lösung

Lösung 3

Bei \(x=0\) wechselt der Graph die Seite der \(x\)-Achse. Deshalb berechnen wir die beiden Teilflächen getrennt.

\( F(x)=\frac12x^2 \)

Zuerst \(A_1\) zwischen \({\textcolor{orange}{x=-2}}\) und \({\textcolor{purple}{x=0}}\):

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{-2}}^{\textcolor{purple}{0}} x\,\mathrm{d}x = \left[\frac12x^2\right]_{-2}^{0} \)
\( = 0-2 = {\textcolor{orangered}{-2}} \)
\( A_1=\left|-2\right|=2 \)

Jetzt \(A_2\) zwischen \({\textcolor{purple}{x=0}}\) und \({\textcolor{steelblue}{x=3}}\):

\( \displaystyle \int_{\textcolor{purple}{0}}^{\textcolor{steelblue}{3}} x\,\mathrm{d}x = \left[\frac12x^2\right]_{0}^{3} \)
\( = \frac92 = {\textcolor{green}{4{,}5}} \)
\( A_2=4{,}5 \)

Für die gesamte Fläche addieren wir beide Flächeninhalte:

\( A=A_1+A_2 \)
\( =2+4{,}5 \)
\(=6{,}5\ \text{FE}\)
Die gesamte Fläche ist \(6{,}5\) Flächeneinheiten groß.

Aufgabe 4

Welche Aussage ist richtig?

\( \displaystyle \int (3x^2-2)\,\mathrm{d}x \)
Falsch
Richtig
Falsch

Lösung

Lösung 4

Am Integral stehen keine Integrationsgrenzen. Es handelt sich also um ein unbestimmtes Integral.

\( \displaystyle \int (3x^2-2)\,\mathrm{d}x \)
\( = x^3-2x+C \)

Das \(+C\) gehört dazu, weil es nicht nur eine, sondern unendlich viele Stammfunktionen gibt.

Keine Integrationsgrenzen → kein einzelner Integralwert, sondern Stammfunktionen \(F(x)+C\).

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Mehr dazu

in unseren FAQs

Warum rechne ich immer obere Grenze minus untere Grenze?

Die Reihenfolge gehört fest zum bestimmten Integral: Wir berechnen immer den Wert der Stammfunktion an der oberen Grenze und ziehen davon den Wert an der unteren Grenze ab.

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{a}}^{\textcolor{steelblue}{b}} f(x)\,\mathrm{d}x = F({\textcolor{steelblue}{b}}) - F({\textcolor{orange}{a}}) \)

Vertauschst du die beiden Grenzen, erhältst du deshalb nicht denselben Wert. Das Vorzeichen ändert sich.

\( \displaystyle \int_a^b f(x)\,\mathrm{d}x = -\int_b^a f(x)\,\mathrm{d}x \)
Die Reihenfolge ist also kein Rechentrick: Vertauschte Integrationsgrenzen kehren das Vorzeichen um.

Muss ich vor dem Berechnen eines Integrals immer eine Skizze zeichnen?

Nein. Wenn nur der Integralwert gesucht ist und die Integrationsgrenzen bereits feststehen, kannst du das bestimmte Integral normalerweise direkt berechnen.

Geht es dagegen um einen Flächeninhalt, ist eine Skizze oft sehr hilfreich. Du musst nämlich wissen, ob der Graph innerhalb des Intervalls die \(x\)-Achse schneidet.

Bei einer Flächenaufgabe hilft dir die Skizze vor allem bei der Entscheidung: Muss ich das Intervall aufteilen oder nicht?

Ist der Verlauf des Graphen nicht gegeben, kannst du dafür auch zuerst die Nullstellen im betrachteten Intervall bestimmen.

Was bedeutet eigentlich das dx hinter dem Integral?

Das \(\mathrm{d}x\) zeigt dir, nach welcher Variablen integriert wird.

\( \displaystyle \int f(x)\,\mathrm{d}x \)

Hier wird nach \(x\) integriert. Deshalb taucht am Ende des Integrals auch \(\mathrm{d}x\) auf.

Würde die Funktion stattdessen von \(t\) abhängen, sähe die Schreibweise zum Beispiel so aus:

\( \displaystyle \int f(t)\,\mathrm{d}t \)
Für deine Rechnungen kannst du dir zunächst merken: \(\mathrm{d}x\) sagt: Wir integrieren nach \(x\).

Brauche ich Integrale nach der Schule überhaupt noch?

Das kommt darauf an, was du später machst. Als Bauingenieur oder Bauingenieurin brauchst du Integrale zum Beispiel bei der Berechnung von Belastungen.

Stell dir einen langen Balken vor, auf den eine Last wirkt. Ist der Balken nicht überall gleich stark belastet, gibt es nicht einfach einen Wert, mit dem du über die gesamte Länge rechnen kannst.

Die Funktion \(q(x)\) beschreibt, wie stark der Balken an jeder einzelnen Stelle belastet wird. Mit einem Integral werden diese unterschiedlichen Belastungen über die gesamte Länge zusammengefasst.

\( \displaystyle F=\int_a^b q(x)\,\mathrm{d}x \)
Aus einer Belastung, die sich entlang des Balkens ständig verändert, wird so die insgesamt wirkende Kraft.

Genau solche Berechnungen gehören zur Arbeit in der Baustatik. Wenn du später beruflich nichts mit solchen Aufgaben zu tun hast, wirst du wahrscheinlich nur selten selbst ein Integral berechnen.

Mehr dazu

Weiterführende Informationen

Warum sagen wir „eine Stammfunktion“?

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass wir immer von einer Stammfunktion sprechen – und nicht von der Stammfunktion.

Um zu verstehen, warum das so ist, musst du zuerst verstehen, wie Funktion und Stammfunktion zusammenhängen. Sie sind in einem Kreislauf miteinander verbunden.

Kreislauf zwischen Funktion und Stammfunktion: Aufleiten und Ableiten
Beim Aufleiten wird aus \(f\) eine Stammfunktion \(F\). Beim Ableiten von \(F\) erhalten wir wieder \(f\).

Probieren wir es aus

Aufleiten und wieder ableiten

Nehmen wir einmal die Funktion

\( f(x)=2x \)

und leiten sie wie gewohnt auf.

Aufleiten und Ableiten
\( f(x)=2x \)
\( F(x)=x^2 \)

Jetzt gehen wir den Weg zurück und leiten \(F\) wieder ab:

\( F(x)=x^2 \)
\( F'(x)=2x=f(x) \)
Wir erhalten wieder genau die Funktion, mit der wir gestartet sind.

Aber jetzt wird es interessant

Was passiert mit einer zusätzlichen Zahl?

Was passiert, wenn wir statt \(x^2\) diese Funktion ableiten?

\( F_1(x)=x^2+3 \)
\( F_1'(x)=2x=f(x) \)

Auch hier entsteht wieder unsere Ausgangsfunktion. Probieren wir noch eine:

\( F_2(x)=x^2-5 \)
\( F_2'(x)=2x=f(x) \)

Und wieder erhalten wir genau dieselbe Funktion. Das ist kein Zufall.

Unendlich viele Stammfunktionen

Beim Ableiten fallen Konstanten weg. Deshalb hat jede Funktion, die eine Stammfunktion besitzt, unendlich viele Stammfunktionen.

\( F(x)+C \)

Dabei steht \(C\) für eine beliebige Konstante.


Zurück zum bestimmten Integral

Welche Stammfunktion nehmen wir?

Beim Berechnen eines bestimmten Integrals könnten wir grundsätzlich jede dieser Stammfunktionen verwenden. In der Praxis nehmen wir aber einfach die einfachste Stammfunktion – also ohne \(+C\) am Ende.

Das funktioniert, weil sich die Konstante beim Einsetzen der Grenzen sowieso wieder aufhebt:

\( \bigl(F(b)+C\bigr) - \bigl(F(a)+C\bigr) \)
\( = F(b)+C-F(a)-C \)
\( = F(b)-F(a) \)
Egal, welche Stammfunktion wir wählen: Beim bestimmten Integral erhalten wir immer denselben Integralwert.
Jetzt weißt du auch, warum es „eine Stammfunktion“ heißt: Es gibt unendlich viele – zum Rechnen reicht uns eine davon.

Warum heißt es eigentlich „bestimmtes Integral“?

Die ganze Zeit sprechen wir vom bestimmten Integral. Aber was ist daran eigentlich „bestimmt“?

Bei einem bestimmten Integral legen wir mit den Integrationsgrenzen genau fest, welchen Abschnitt der Funktion wir betrachten wollen.

In unserem Beispiel bestimmen wir den Abschnitt von \({\textcolor{orange}{x=1}}\) bis \({\textcolor{steelblue}{x=4}}\):

Bestimmtes Integral
\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x \)

Die Integrationsgrenzen legen den betrachteten Abschnitt eindeutig fest.

Weil Anfang und Ende des Intervalls bestimmt sind, erhalten wir für genau diesen Abschnitt einen konkreten Integralwert.

\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{1}}^{\textcolor{steelblue}{4}} (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x = 17{,}25 \)
Bestimmt bedeutet hier also: Wir bestimmen mit den Integrationsgrenzen, welchen Abschnitt wir betrachten.

Und wenn wir nichts bestimmen?

Das unbestimmte Integral

Beim unbestimmten Integral legen wir dagegen keine Integrationsgrenzen fest:

\( \displaystyle \int (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x \)

Wir betrachten also keinen bestimmten Abschnitt. Deshalb erhalten wir auch keinen einzelnen Integralwert.

Stattdessen suchen wir die Stammfunktionen der Funktion:

Unbestimmtes Integral
\( \displaystyle \int (-0{,}2x^3+4x)\,\mathrm{d}x = -0{,}05x^4+2x^2+C \)

Das unbestimmte Integral liefert nicht eine Zahl, sondern die Menge aller Stammfunktionen.

Deshalb gehört beim unbestimmten Integral auch das \(+C\) dazu.

Der Unterschied auf einen Blick

Bestimmtes und unbestimmtes Integral

Der entscheidende Unterschied steckt in den Integrationsgrenzen – und darin, was wir am Ende erhalten.

Bestimmtes Integral
\( \displaystyle \int_{\textcolor{orange}{a}}^{\textcolor{steelblue}{b}} f(x)\,\mathrm{d}x \)
Wir bestimmen mit \({\textcolor{orange}{a}}\) und \({\textcolor{steelblue}{b}}\) die Integrationsgrenzen.
Dadurch betrachten wir einen bestimmten Abschnitt.
Wir berechnen den Integralwert.

Ohne Integrationsgrenzen verändert sich nicht nur die Schreibweise – wir suchen auch etwas anderes:

Unbestimmtes Integral
\( \displaystyle \int f(x)\,\mathrm{d}x = F(x)+C \)
Wir bestimmen keine Integrationsgrenzen.
Wir betrachten keinen bestimmten Abschnitt.
Wir bestimmen die Stammfunktionen \(F(x)+C\).
Gleiche Grundidee – aber zwei verschiedene Fragen: Integralwert oder Stammfunktionen?